Folge:
Serie: Mütter und ihre Blogs

Birgit von „Fräulein im Glück“

Birgit Ottendorfer (1 von 1)

Heute möchte ich euch Birgit aus Wien vorstellen. In ihrem Blog Fräulein im Glück schreibt die Mutter von zwei kleinen Jungs über ihre Versuche, ihr hektisches Familienleben achtsamer, reduzierter und nachhaltiger zu gestalten. Ihre Gedanken und Tipps zum Thema Achtsamkeit und Runterkommen im Alltag finde ich jedes Mal sehr inspirierend. Innehalten im größten Stress, sich darauf zu besinnen, was wirklich wichtig ist (nämlich erstaunlich wenig) und sich von den Anforderungen des Lebens nicht verrückt machen zu lassen, sind Fähigkeiten, von denen meiner Meinung nach besonders Mütter profitieren.

Liebe Birgit, erst einmal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten. Seit wann bloggst Du und was war der Anlass?
Mein erster Beitrag ist im September 2012 erschienen, quasi als Test. Wirklich mehr oder weniger regelmäßig blogge ich seit 2013. Der Anlass war eigentlich beruflicher Natur, ich wollte mich weiterbilden, da ich im Medienbereich arbeite und hatte schon so viel von Blogs und BloggerInnen gehört. Ich habe also selbst einen begonnen. Weil ich nichts besseres wusste, habe ich über mein Mamasein in Kombination mit meiner ewigen Sinnsuche zu bloggen begonnen. Heute blogge ich schon ein bisschen über das Ergebnis der Sinnsuche, nämlich dass weniger ein bisschen mehr ist und, dass wir schon alles haben was wir für ein glückliches Familienleben brauchen und wir es nur bewusst wahrnehmen müssen.

Wie viel Zeit nimmt das Bloggen in Deinem Alltag ein und was machst Du neben dem Blog noch?
Ich arbeite als Social Media Managerin für sos-kinderdorf.at. Leider habe ich für das Bloggen nicht immer so viel Zeit wie ich gerne möchte, es ist und bleibt einfach ein liebes Hobby. Derzeit versuche ich nicht mehr als ein bis zwei Abende zu investieren, damit auch mal unverplante Zeit zum Entspannen bleibt.

Wie bist Du darauf gekommen, Dich mit Achtsamkeit und Minimalismus zu beschäftigen?
Eigentlich aus einer Not heraus. Ich bin der Typ, der ganz schlecht „Nein“ sagen kann, ich habe tausende Ideen, dazu in mancher Hinsicht einen großen Perfektionismus und möchte gerne alles machen. Das gelingt natürlich nicht, zumindest nicht ohne sich kaputt zu machen. Außerdem neige ich stark dazu mich mit anderen zu vergleichen und frage mich dann immer, wie machen die das? Blog, Job, zwanzig Kinder und dann alles so perfekt. Wenn ich ein bisschen auf mich selbst höre, versuche Dinge auch zu sehen, wie sie wirklich sind oder wirklich dahinter sind, dann entspanne ich mich. Das Meiste ist nicht wichtig, in einem Jahr werden wir es nicht mal mehr wissen. Den Druck und Stress machen wir uns eigentlich nur selbst. Achtsamkeit und Minimalismus helfen mir dabei, mein Leben und auch unser Familienleben entspannter anzugehen. Zu reduzieren, damit nur übrig bleibt, was wirklich wichtig ist. Aber natürlich gelingt das nicht immer.

Achtsamkeit_Essen_Rosinen-1-von-1-1

Du bindest Achtsamkeitsübungen in euren Familienalltag ein, zum Beispiel die zum achtsamen Essen. Macht ihr diese Übungen täglich und wie muss man sich das vorstellen?

Nein, täglich machen wir das nicht. Ich versuche es für mich täglich zu machen, aber oft nehme ich mir dafür keine Zeit, obwohl es wirklich wichtig ist. Was wir sehr oft machen und was auch mit Kindern funktioniert (oder eigentlich sogar besser mit Kindern als mit Erwachsenen) sind Klangübungen. Einfach wahrnehmen und hören wie lange ein Ton nachschwingt. Wir machen das inzwischen mit einer Klangschale, aber es geht natürlich mit allem, was einen Ton erzeugt. Bald wird es mehr dazu auf meinem Blog geben.

Hast Du auch schon einmal mit Deinen Kindern meditiert und wenn ja, wie fanden sie das?
Ja, ganz am Anfang, als ich begonnen habe, überhaupt mit den Kindern Übungen zu machen. Aber das hat nur so halb geklappt. Ich habe abends vor dem Schlafengehen ganz klassische Atemübungen versucht. Der Kleine hat es noch nicht so richtig verstanden und der Große hat nur  Schabernack gemacht. Inzwischen ist das sicher anders, weil sie andere (vorbereitende) Übungen kennen, die uns allen viel Spaß machen. Vielleicht fangen wir jetzt wieder damit an.

S_vor Büten (1 von 1)

Hast Du eine Übung für gestresste working moms, die sich leicht in den Alltag einbauen lässt und für Entspannung sorgt, wenn der Puls kurz vor 180 steht?
Das ist nicht ganz so leicht. Ich bin ja auch eine gestresste „working mom“ und finde da nicht immer raus. Was mir hilft, ist auf meinen Körper zu achten. Wie fühlt sich der Stress in meinem Körper an? Herzrasen vielleicht? Wird mir heiß? Bekomme ich Bauchschmerzen und dann bewusst ein paar Mal ein- und ausatmen, alles wahrnehmen, so wie es ist. Das Problem ist nur, dass man dafür aus einer Situation aussteigen und diese dann quasi von außen betrachten  muss. Das muss man üben, wenn man im Stress ist, läuft das ja alles automatisch ab, sonst wäre man ja nicht im Stress. Viktor Frankl hat mal gesagt: „Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum. In diesem Raum hat der Mensch die Freiheit und Fähigkeit, seine Reaktion zu wählen. In diesen Entscheidungen liegen unser Wachstum und unser Glück“ –  Was heißt das? Als praktisches Beispiel, wenn ich gestresst und überfordert bin und ich muss nach einem langen Tag auch noch schnell Essen machen, aber die Kinder streiten sich nebenbei dauernd und hauen sich irgendwann auch noch, weil sie eben auch schon müde und hungrig sind, dann schreie ich schon hin und wieder richtig herum und der Abend ist komplett ruiniert. Wenn ich es schaffe den Raum zu vergrößern bevor ich schreie und dort noch eine andere Entscheidung zu treffen, vielleicht die Kinder gegen meine Prinzipien unter der Woche fernsehen zu lassen oder ihnen einfach ein Butterbrot hinzustellen, dann habe ich vielleicht geschafft eine bessere Entscheidung zu treffen, die vielleicht den Abend rettet. Den Raum kann ich aber nur durch Übung vergrößern. Das geht eigentlich nur über klassische Atemmeditation, Gehmeditation oder vielleicht noch über Yoga, denn solche Übungen bauen unser Gehirn um, dazu gibt es viele Studien.

Am besten wäre es wahrscheinlich, das Stress-Level gar nicht erst so hoch kommen zu lassen. Besseres Zeitmanagement hört man in diesem Zusammenhang immer wieder. Daran hapert es auch in meiner Familie leider oft. Vor allem morgens wird es oft sehr stressig und wir starten schon angespannt in den Tag. Hast Du einen Tipp, wie man das besser hinbekommt?
Ich bin die Queen des schlechten Zeitmanagements, vielleicht bin ich deshalb auch bei Achtsamkeit und Minimalismus gelandet 😉 . Was mir hilft sind Routinen. Eine einzige kleine Änderung hat bei uns in der Früh sehr viel bewirkt. Die Kinder ziehen sich jetzt vor dem Frühstück schon an und können nachher noch ein bisschen spielen, bis ich fertig bin. Dann ist nicht in letzter Minute der Stress mit dem Anziehen.

Sehr hilfreich finde ich auch deine Beiträge zum Thema chaosfreies Kinderzimmer. Wie sieht es da bei euch aus? Ist die Ordnung dauerhaft bei euch eingezogen?
(lacht laut) Ich denke als Eltern muss man sich mit dem Gedanken anfreunden, dass Ordnung ein unerreichbares Ziel ist. Was wir schon haben, ist dass alles in 10 Minuten aufgeräumt ist, selbst wenn sie alles hervor räumen. So gesehen ist unser Chaos echt übersichtlich. Das erleichtert das Leben schon um Einiges. Trotzdem es gibt immer Luft nach oben.

Vielen Dank, liebe Birgit, für das Interview!

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