Folge:
Mamaleben

Große Helden kleiner Jungs

Mein Sohn wird fast jeden Morgen um kurz nach sechs wach. Er trappelt auf seinen kleinen, nackten Füßen in unser Schlafzimmer, kriecht unter unsere Decke, kuschelt sich an und flüstert: „Bitte eine schöne, warme Milch!“. Dann steht einer von uns auf (meistens mein Mann) und bereitet ihm die gewünschte Milchflasche zu. Die trinkt er dann ganz langsam und genüsslich und sehr laut schlürfend aus. Meistens dösen wir alle danach noch so bis kurz vor sieben. Doch an drei Tagen in der Woche wird diese gemütliche Kuschelzeit jäh unterbrochen. Immer dann, wenn ein bestimmtes Geräusch draußen auf der Straße zu vernehmen ist. „Oh, Müllmänner“ ruft mein Sohn, springt aus dem Bett und rennt ins Nebenzimmer, das mit dem Fenster zur Straße. Wir müssen ihn hochheben und gemeinsam gucken wir von unserem Fenster aus den Müllmännern bei ihrer Arbeit zu. Wie sie die großen Tonnen laut scheppernd über den Bürgersteig  ziehen und wie der Müll dann mit Gewumm im Nirvana des großen Autos verschwindet. Jedes Mal, wenn ich da stehe, meinen Sohn festhalte, seine staunenden Augen betrachte und mich über seine begeisterten Ausrufe freue, frage ich mich, ob die Männer da unten eigentlich wissen, dass sie Helden sind. Große, orangefarbene Helden. Für meinen Sohn gibt es keinen Beruf, der anbetungswürdiger ist. Außer vielleicht: Baggerfahrer. Der kommt nahe ran. Zur Zeit, seit Wochen eigentlich, will mein Sohn zum Einschlafen nur noch das eine Buch angucken. Es trägt den melodischen Namen „Der Bagger“ und erklärt minutiös, wofür Bagger alles gebraucht werden und was sie alles können. Mein Mann und ich sind mittlerweile Experten auf diesem Gebiet. Dank des Buches kann ich an jeder Baustelle, an der wir vorbeikommen, sagen, ob dort ein Schaufel- oder ein Raupenbagger steht. Oder vielleicht ein Radlader. Oder ein Kipplaster. Alles SEHR wichtige Informationen. Ich bin gespannt, was als nächstes kommt.

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2 Comments

  • Reply Micki

    Diesem Inhalt kann ich nur nickend und schmunzelnd zustimmen- sehr süß!
    Bei uns müssen jede Nacht zwei Müllautos mit ins Bettchen…

    10. Oktober 2014 at 21:12
    • Reply sina

      Gleich zwei? Wie süß! 🙂 Teddybären kann ja jeder haben, oder? 😉

      10. Oktober 2014 at 21:52

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