Folge:
Mamaleben

Oh, du fröhliche! Warum unsere Adventszeit gerade nicht so besinnlich ist

Adventskranz mit Kerzen

Hilfe! Ich bin seit einer Woche mit zwei mehr oder weniger kranken Kindern Zuhause. Den ganzen Tag! Die Kleine geht ja eh noch nicht in den Kinderladen (erst ab Januar), und der Große hustet wie ein Kettenhund mit Asthma, so dass ich ihn unmöglich guten Gewissens in die Kita geben kann, die kleine Keimschleuder. Und so verbringen wir drei diese eigentlich so gemütliche, besinnliche Vorweihnachtszeit mehr oder weniger fröhlich zu Hause. Heute war wieder so ein Tag. Er fing eigentlich ganz gut an. Nach dem gemeinsamen Frühstück verabschiedete sich der Papa frohen Mutes in die Arbeitswelt. Noch ein beschwingtes „Tschühüs“ flötend, ausgiebig verabschiedet von unseren Kindern, und er war zur Tür raus.

But first: Coffee…

Soooo, was nun? Mama braucht jetzt erstmal noch nen Kaffee, extrastark, ohne den geht heute gar nichts. Denn natürlich sind auch unsere Nächte zur Zeit sehr bescheiden. Der fiese Husten weckt den kleinen Mann mehrmals auf. Dann möchte er etwas trinken und  in unser Bett, wo er erneut einen riesen Hustenanfall bekommt und das eben Getrunkene wieder ausspuckt, gerne auf mein Kopfkissen, um dann ermattet zwischen uns zu liegen. Wenns gut läuft, schläft er gleich wieder ein. Wenns schlecht läuft  (so wie letzte Nacht) möchte er noch eine Dino-Geschichte zum Einschlafen hören. „Aber der Tyrannosaurus muss den Brachiosaurus wirklich fangen und fressen, Mama!“, lautet die Ansage. Also so eine richtig schöne Gute-Nacht-Geschichte, die bestimmt für süße Träume sorgt.

A propos süß: Mein Sohn verlangt jetzt ein Plätzchen. Alternativ möchte er etwas vom Knusperhäuschen abknuspern. „Aber wir haben doch eben gefrühstückt“, wende ich ein. „Aber ich will trotzdem!“, beharrt mein Sohn. „Na gut“, denke ich, „warum nicht. Er ist ja schließlich krank.“ Sobald sie ihren großen Bruder in die Keksdose greifen sieht, will die kleine Maus  natürlich auch ein Plätzchen, ist ja klar. Erster Streit dann darüber, wer welches Plätzchen darf. Zum Glück sind noch mehrere Weihnachtsbaum-Plätzchen mit bunten Streuseln in der Dose. So kriegt jeder eins und sie ziehen vergnügt von dannen ins Kinderzimmer.

Okay, durchatmen. Wo war ich? Ach ja, Kaffee kochen. Frühstückschaos beseitigen, Spülmaschine ausräumen. Aber erst leg ich den Kindern noch eine Weihnachtslieder-CD auf, für die Stimmung sozusagen. Wo war jetzt nochmal die CD? Nichts als leere Hüllen. Und was machen eigentlich diese komischen Pappteller hier? Die gehören doch ganz woanders hin. Das müsste man mal alles in Ruhe aufräumen. Aber egal jetzt. Nach zehnminütiger Suche erschallt endlich „Oh Tannenbaum“ aus dem Player. Schön ist was anderes, aber den Kindern gefällt’s. Zurück in der Küche, will ich gerade den ersten Schluck Kaffee trinken, als ein Riesengebrüll aus dem Kinderzimmer kommt. Ich warte kurz ab, ob die zwei ihre Meinungsverschiedenheit vielleicht alleine geregelt kriegen. Leider nein. Das Gebrüll wird lauter. Ich gehe nachschauen. Meine Tochter malt mit den Wachsmalstiften den Tisch an, mein Sohn will sie daran hindern, was sie überhaupt nicht  toll findet und lautstark protestiert. Ich gebe meiner Tochter ein Blatt Papier und erkläre ihr nochmal, dass sie bitte nur auf das Papier malen soll und nicht auf den Tisch. Noch während ich rede, steigt mir ein wohlbekannter Geruch in die Nase. „So, jetzt müssen wir dich erstmal wickeln“, verkünde ich und gebe meiner Stimme einen glockenhellen Klang mit extra Zuckerguss darin, wohlwissend, dass „wickeln“ und „anziehen“ momentan die schlimmsten Alltagsbeschäftigungen sind, die man meiner Tochter antun kann. „Nein, Mama!“ kommt es dann auch prompt von links. „Rübe, du hast die Windel voll. Komm, das geht doch ganz schnell“, versuche ich es nochmal. „NEEIIINNN!“ ruft sie und setzt dazu einen sehr entschlossenen Blick auf. „Loo“ spricht Madame, läuft flinken Schrittes ins Bad und zeigt aufs Töpfchen. (Ihre aktuelle Leidenschaft. Das kann sie täglich mehrmals tun). Okay, nichts gegen das Trockenwerden einzuwenden, wenn sie das so toll findet, will ich mich da nicht in den Weg stellen.

„Lasst uns froh und munter sein…“ – nichts leichter als das

Lasst uns froh und munter sein„, trällert es aus dem CD-Spieler. Während meine Tochter zufrieden thront, versuche ich meinen Sohn einzufangen, der schon wieder seine Socken ausgezogen hat und, krank wie er ist, barfuss durch die Wohnung springt. Da klingelt mein Handy. Mein Vater will wissen, was sich die Kinder zu Weihnachten wünschen. Nach dem kurzen Telefonat gehe ich zurück ins Bad. Meine Tochter sitzt nicht mehr auf dem Töpfchen. Eine Sekunde später ruft mein Sohn gellend „Ihh, Pipi!“. Ich rase ins Wohnzimmer, wo meine Tochter verwundert auf den nassen Fleck sieht, der sich zu ihren Füßen gebildet hat. „Morgen, Kinder, wird’s was geben, morgen werden wir uns freuen“. Leise vor mich hinfluchend, wische ich den Boden trocken, während mein Sohn an mir zerrt und unbedingt jetzt sofort „Der Grüffelo“ vorgelesen haben möchte. Eigentlich wollte ich noch was für’s Mittagessen einkaufen und Zutaten für den Stollen, den ich schon seit Tagen backen möchte. Aber bei dem Gedanken daran, die beiden und mich selbst wintertauglich anzuziehen, mit dem schweren, sperrigen Geschwisterwagen durch den Supermarkt zu schieben, dann wieder zurück und die Treppen hoch mit vollen Einkaufstaschen, werde ich auf einmal ganz müde.  Nudeln sind ja noch da und Tomatensauce auch, wunderbar. Das reicht für heute, morgen ist ja auch noch ein Tag. Es ist halb zehn und in der Küche wird mein Kaffee kalt. Oh, du fröhliche!

Teilen
Vorheriger Post Nächster Post

Vielleicht magst Du auch

3 Comments

  • Reply Inga

    Oh wie fühle ich mit Dir. Was für ein Start in den Tag. Kenne ich nur zu gut. Meine beiden sind auch gerade krank und zu Hause. Schön zu lesen, dass man nicht allein ist! Liebe Grüße und hoffe Deinen Mäusen geht es bald besser!!

    12. Dezember 2015 at 21:55
    • Reply Maike

      Sensationell geschrieben Sinchen, so leid Du mir auch tust, aber ich musste lachen!!!

      13. Dezember 2015 at 14:14
  • Reply sina

    Danke ihr Süßen! Und gute Besserung an alle kranken Mäuse und gute Nerven!!!

    14. Dezember 2015 at 11:44
  • Schreibe einen Kommentar